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Dekanat Gunzenhausen  |  E-Mail: info@dekanat-gunzenhausen.de  |  Online: http://www.dekanat-gunzenhausen.de

Willkommen

Die Evang.-Luth. Kirchengemeinden Altenmuhr (St.Johannis) und Neuenmuhr (St.Jakobus) begrüßen Sie auf ihrer Internet-Seite!

 

 

Wir freuen uns sehr, dass wir ab 10. Mai in Muhr am See wieder Gottesdienste in der Kirche feiern dürfen und möchten Sie herzlich dazu einladen.

Bitte beachten Sie folgende Hinweise!

 

 

Die aktuelle Predigt zum Sonntag

finden Sie hier ab Sonntag gegen 11 Uhr

 

 

Gottesdienst-/Predigt-Mitschnitt hier

 

Pfingstfest, 31.05.2020, St. Johannis., 09.00 Uhr
Röm 8, 1-2.10-11


8, 1. So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.
2. Denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.
10. Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen.
11. Wenn aber der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.


Liebe Gemeinde,

aus den Worten des Apostel Paulus sprudelt Begeisterung und Freude heraus. Er ist voller Hoffnung, dass die, die in Christus, dem Auferstandenen, sind, im Geist Gottes leben.
Und darum – so sagt Paulus – kann man voller Zuversicht nach vorn schauen.

Eine solche Begeisterung belebt und tut einfach gut – auch uns. Wir feiern an Pfingsten die Kraft des guten Geistes Gottes, der Menschen bewegt, der sie aus Mutlosigkeit und Bedrücktheit herausreißt, der uns frische Hoffnung schenkt – Hoffnung auf Leben.

Trotz der schwer zu verstehenden Worte des Paulus, die wir als Predigttext heute vorfinden und gehört haben.

Wir hören in diesen Worten auch viel Bewegung und viel Frische und viel Heilsames.
Es gibt keine Verdammnis mehr, sagt Paulus erleichtert. Der Geist Gottes befreit von falschen Abhängigkeiten und führt zu einem gelingenden Leben. Ein gelingendes Leben in Freude und Begeisterung, in Hoffnung und Zufriedenheit.
Schaut, das ist Pfingsten, sagt Paulus, dass wir diesen Geist in uns spüren. Aus ihm sprudelt es nur so heraus. Voller Begeisterung kann er uns zurufen:
„Ihr lebt nicht mehr nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist – ihr gehört zu Christus, der den Tod überwunden hat und der Versöhnung geschaffen hat“.

Ich wünsche mir, dass diese Begeisterung des Paulus auch uns heute erreicht und dass auch wir immer wieder neu begeistert werden von der schönsten Sache der Welt, nämlich zu dem zu gehören, der unser guter Hirte ist.

In den Worten unseres Predigttextes – so theoretisch und spröde sie am Anfang vielleicht klingen mögen – da liegt ganz viel Energie, frischer Wind und Kraft drin.

„Zur Freiheit hat euch Christus befreit.“ Was heißt das?

Paulus war besonders wichtig, dass die neu-getauften Christenleute der ersten Gemeinden ohne Angst leben können, ohne sich fertig zu machen vor lauter Sorgen um andere und um sich selber.
Wie wunderbar können wir das von ihm lernen!
Alle Abhängigkeiten, die wir erleben, Abhängigkeiten von Menschen oder von Sachen –
Abhängigkeiten, die uns knechten und binden, uns oft in tiefste Krisen führen, die sind im Kreuz Jesu überwunden – besiegt – endgültig!

Und Paulus sagt, diese Freiheit, die wir jetzt auf einmal haben und verspüren, diese Freiheit ist der gute Geist Gottes, der Heilige Geist.
Und deswegen: Pfingsten! Und deswegen findet Pfingsten auch heute bei uns statt.

Manchmal merken wir das ganz deutlich: Dieser gute Geist gibt uns manchmal so einen ganz kleinen Augenblick lang ein unheimlich getröstetes seelisches Gleichgewicht.
Es gibt Momente, da wissen wir einfach: Es wird gut, und das Leben ist wirklich richtig, so wie es jetzt ist.
Gottes Geist bewirkt, dass wir ausgeglichen werden, dass wir verstehen – im Kopf und im Herzen verstehen –, dass Gott unser Leben gesegnet hat.

Und dann kann auch ein neues Gefühl einziehen bei mir. So dass mir auf einmal klar wird: So, wie es Gott vorgesehen hat und wie er’s macht in meinem Leben, so ist es gut für mich. Ich lebe unter seiner Obhut gesegnet. –

Wo ist dieser Geist zu finden ist, fragen wir vielleicht ein wenig nachdenklich – woher wir ihn kriegen.
Die Antwort des Evangeliums heißt: in Jesus. Da – in diesem auferstandenen Gekreuzigten – finden wir den Geist Gottes.
Von diesem Gott, der Christus von den Toten auferweckt hat und damit deutlich gemacht hat, dass das Leben stärker ist als der Tod, von ihm geht der gute Geist aus.
Wie ein Haus uns Geborgenheit schenkt, uns vor Nässe und Kälte, vor Hitze und Sturm schützt, so ist der Ort in Christus auch ein Schutzraum, in dem wir uns wohl fühlen dürfen.
Wo wir uns unterstellen dürfen, wie in einer Schutzhütte im Gebirge, wenn ein Unwetter heraufzieht.

Und dabei sind wir in Christus nicht durch unsere Leistung, sondern durch den Geist Gottes, der uns zu Christus hin bewegt.
Er selber führt uns zu diesem Gekreuzigten, der der Herr unseres Leben sein will, der zu uns steht und uns begleitet, der uns hört, wenn wir beten, und der uns Kraft gibt, die wir brauchen – die wir jetzt brauchen.

Die Erfahrung Dietrich Bonhoeffers können auch wir für uns entdecken:

Gott gibt uns Kraft, schenkt uns die nötige Widerstandskraft. Aber er gibt sie nicht im Voraus, sondern dann, wenn wir sie brauchen. Warum? Damit wir uns nicht auf uns selber verlassen, sondern auf ihn.

In Jesus befreit uns Gott zu einem Leben, das nicht mehr gefangen ist in dunkle Schatten, in dunkle Täler.
Das ist nämlich der Haupt-Irrweg dieser Welt, dass Menschen glauben, dass sie zu kurz kommen, dass sie innerlich zu klein und nichts wert sind.
Das ist dieser berühmte kleine Mann im Ohr, der uns einflüstert,
dass wir nichts taugen, wenn wir nicht dies und das vorweisen können in unserem Leben –
dass wir ständig hetzen müssen, um zu etwas zu kommen –
dass wir ständig aktiv sein müssen, um dabei und nicht vergessen zu sein –
dass wir dies und das geschafft haben müssen, um beliebt und bei anderen anerkannt zu sein,
dass wir uns aus unserer eigenen Leistung heraus den Sinn unseres Leben selber erschaffen müssen.

Die Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen.

Dies alles, liebe Gemeinde, nennt Paulus Sünde.
Sünde ist im Neuen Testament nicht irgendeine moralische Verfehlung, von der anständige Leute sowieso nicht betroffen sind.
Sünde heißt – bei Paulus und sonst in der Bibel:

Auflehnung gegen Gott – und zwar in dem Sinne, dass ich meine Erlösungsbedürftigkeit leugne.

Ganz kurz und knapp gesagt:
Sünde ist bei Paulus: zu meinen, ich bin Gott recht, weil ich anständig bin, – weil ich anständiger bin als ein anderer!

Denken wir an so eindrucksvolle Beispiel-Erzählungen wie die vom Pharisäer und vom Sünder im Tempel, in der der Pharisäer aufzählt, wie anständig er ist und was er alles Gutes tut, und in der auf der anderen Seite der Zöllner diese wunderbare Selbsterkenntnis hat:
Herr, ich brauche deine Vergebung!! Ich kann’s gerade nicht schaffen, weil ich merke, wie ich immer Sünder bleibe.

Und deshalb geht etwas in ihm vor sich in diesem Augenblick, da macht er Türen auf in sich und erkennt, wie sehr er Vergebung braucht – Gottes Vergebung.
Gottes Vergebung zählt, und nicht meine Leistung und nicht meine Anständigkeit. Denn die reicht bei weitem nicht aus!

Pfingsten ist genau dieses Geschehen, dass Menschen be-geist-ert werden von dem Geist Gottes, – der in uns wohnt und der uns in die Nachfolge unseres Herrn Jesus ruft.

Ich wünsche uns allen, dass wir uns von diesem Geist be-geist-ern lassen.
Gottes Geist richtet auf.
Er schafft neue Hoffnung, weil er uns neu anfangen lässt – immer wieder.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserm Herrn. Amen.

 

 

Bleiben Sie behütet und gesund!
Ihr Pfarrer Karl-Heinz Brendel

 

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