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Wiedereinweihung St. Johannis

„Wie lieblich sind deine Wohnung, HERR ZEBAOTH!“
Geglückte Renovierung der St. Johanniskirche abgeschlossen.

 

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Als die Planungen für die Renovierung der St. Johanniskirche langsam Form annahmen, war von einer Bauzeit von ca. zwei Jahren die Rede. Während dieser Zeit sollten dann alle Gottesdienste in der St. Jakobuskirche stattfinden. Prompt kam aber dann die Frage: „Und wo halten wir dann die Konfirmation?“ Befürchtete man, dass in der kleineren St. Jakobuskirche der Platz nicht reichen würde? Doch nicht alles wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Die St. Johanniskirche sollte ja außen und innen restauriert und saniert werden.

Als im August 2014 das Außengerüst aufgestellt wurde und im September die Dachdeckerarbeiten begannen, konnte man ja die Kirche noch benutzen, denn das Gerüst war so gebaut, dass die Eingänge frei waren. Dank des günstigen Wetters im September und Oktober 2014 gingen die Dacharbeiten zügig voran. Von Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr, des Heimatvereins, der beiden Kirchenvorstände und weiterer freiwilliger Helfer wurde im November 2014 auch noch im Sockelbereich von Turm und Langhaus der schadhafte Putzt entfernt.

Über den Winter ruhten die Arbeiten. Das Weihnachtsfest 2014 konnte noch in der Kirche gefeiert werden, ebenso die Konfirmation und das Osterfest 2015. Dann wurde die Kirche geschlossen, weil die Innenarbeiten begannen. Im rückwärtigen Teil des Kirchenschiffes und im Bereich der Türen wurde der Putz entfernt. Ein Teil des Gestühls im Schiff und das gesamte Chorgestühl musste ausgebaut werden. Für die Lagerung stellte Herr Ernst kostenlos die Räume seines ehemaligen Kutschenmuseums zur Verfügung, die trocken und leicht zu erreichen waren. Dafür war die Kirchengemeinde sehr dankbar. Die 1988 im Boden unter der Kanzel liegenden Epitaphien musste wieder entfernt werden, weil sie zum einen total durchfeuchtet waren und zum andern doch nicht genügend Feuchtigkeit durch ließen, so dass diese in der Wand bei der Kanzel hoch stiegt.

Nun wurde der Innenraum total eingerüstet und die Restauratoren, Kirchenmaler und Elektriker begannen ihre Arbeit. Für sämtliche elektrischen Anlagen (Beleuchtung, Heizung, Anschluss der Orgel usw.) mussten neue Leitungen verlegt werden, weil die bisherigen nicht mehr den Vorschriften entsprachen. In der Sakristei wurden der Holzfußboden ganz und das Pflaster teilweise entfernt, weil der Haupthausanschluss neu gelegt werden muss. Wegen immer wieder neuer Vorschriften, die unbedingt eingehalten werden mussten, zogen sich die Arbeiten in die Länge. Als die Kirchenmaler die alte Farbe von den Wänden und der Decke abwaschen wollten, erlebten sie eine böse Überraschung. Die alte Farbe ließ sich nicht abwaschen, wellte sich aber auf, sobald sie mit Feuchtigkeit in Berührung kam. Nun blieb nichts anderes übrig, als alle Wände und die große Decke trocken total abzuschaben, was viel zusätzliche Zeit in Anspruch nahm. Als dies geschehen war, konnten endlich die Wände, die Decke und die Emporenbrüstungen gestrichen werden. Die Rahmungen der Brüstungsfelder wurden nicht mehr hellblau gefasst, sondern in einem angenehmen dunkelroten Ton. Bis man sich auf eine Farbgebung des Chorgestühls geeinigt hatte, dauerte es eine Weile.

Da im Zusammenhang mit der Farbgebung der Kirche im gesamten Innenraum auf Weisung des Landesamtes für Denkmalpflege Befunduntersuchungen gemacht werden mussten, kamen überraschende Dinge zum Vorschein. Am Chorbogen traten in zwei Schichten verschiedene Schablonenmalereien aus dem Ende des 19. Jh. zutage. Auf der obersten Empore wurde ein Stück des Schablonenfrieses freigelegt, das auf einem Foto vor 1910 noch zu sehen ist, später aber übertüncht wurde, sowie die Jahreszahl 1797. Die größte Überraschung brachte aber die Befunduntersuchung an den Holzteilen der Kirche, an den Emporenbrüstungen und an den Innentüren. Die Marmorierung der Sakristeitür wurde nicht freigelegt, die marmorierten Säulchen und Pilaster an den Emporenbrüstungen wurde den vorgefundenen Rest marmoriert nachempfunden und das Gestühl im Langhaus so gestrichen, wie die aufgedeckte unterste Farbschicht war. Der größte und wertvollste Funde kam aber an der Tür zum Turmaufgang zu Tage: Kaligraphisch wunderbar gestaltete und gut erhaltene Bibelverse. Es ist unwahrscheinlich, dass die Tür von Anfang an so gestaltet war. Vermutlich stammen die heute als Türfelder dienenden Bretter von der ehemaligen Loge der Schlossherrschaft oder es handelt sich um Füllungen der alten Empore. Dafür spricht, dass man noch deutlichen erkennen kann, dass die Sprüche mit Zierleisten eingerahmt waren. Da die Malereien auf das Jahr 1674 datiert sind, stammen sie auf jeden Fall noch von der alten Kircheneinrichtung, denn 1723 wurde die Kirche grundlegend umgebaut und erhielt eine vollkommen neu Einrichtung. Der Altar ist sogar noch neuer und wurde 1844 gestiftet.

Nachdem das Gerüst entfernt war, konnte das Gestühl wieder aufgestellt werden. Damit die Wand besser atmen kann, wurde vom Gestühl auf beiden Seiten ganz hinten je eine Bank nicht mehr eingebaut, und die aus dem Boden aufgehobenen Epitaphien kamen an die Westwand des Langhauses. Der geplante Einweihungstermin, der 1. Advent rückte immer näher. Bevor aber nicht alle Arbeiten in der Kirche geschehen waren, die Staub verursachten, konnte nicht mit der Instandsetzung der Orgel begonnen werden. Im Winter konnte sie zwar gereinigt, total überholt und zusammen gebaut werden, aber eine Stimmung war nicht möglich. Also entschloss man sich, den Einweihungstermin zu verschieben. Das Weihnachtsfest wurde in der St. Jakobuskirche gefeiert, aber zur Konfirmation und zum Osterfest wollte man wieder in der St. Johanniskirche die Gottesdienste feiern können und so geschah es dann auch. Am 6. März, am Sonntag Laetare war es dann so weit, dass die Kirche nach zehn Monaten wieder benutzt werden konnte. Im Festgottesdienst, der vom Gemischten Chor und vom Posaunenchor festlich mitgestaltet wurde, hielt Regionalbischöfin Gisela Bornowski aus Ansbach die Predigt. Pfarrer Brendel bedankte sich bei allen, die zum Gelingen dieses großen Werkes beigetragen hatten durch Spenden und durch praktische Mithilfe. Sparkasse und Raiffeisenbank überreichten noch je einen Scheck über 1.500.- €.

 

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Für die gesamte Maßnahme waren Kosten in Höhe von 564.000.- € errechnet worden und dann geschah etwas, was ganz selten ist: Die Kosten wurden um etwa 100.000.- € unterschritten. Von den bisher errechneten Gesamtkosten von 452.000.- € entfallen 202.000.- € auf den Staat, der an der Kirche die Baupflicht hat. Die Kirche ist zu Hand- und Spanndiensten verpflichtet, die aber nicht mehr praktisch geleistet werden müssen, sondern mit jeweils 5% aus den staatlichen Kosten ausgeschieden werden.

Die staatliche Baulast beruht auf einer alten Verpflichtung, die der Staat im 19. Jahrhundert eingegangen ist. In der so genannten „Säkularisation“ wurden vom bayerischen Staat nicht nur Klöster enteignet, sondern auch der größte Teil des Ortskirchenvermögens eingezogen. Im Gegenzug verpflichtete sich der Staat, Kirchen und Pfarrhäuser zu erhalten, die bisher auch vom Landesherrn unterhalten worden waren, im Fall von Altenmuhr vom Patronatsherrn bzw. vom Markgrafen von Ansbach. Nicht unter die Baulast fallen für gewöhnlich die „beweglichen“ Dinge einer Kirche, bei der St. Johanniskirche z.B. das Gestühl, der Altar, die Kanzel, die Orgel und die große Glocke, sowie alle Dinge, die erst nach Abschluss dieses Vertrages in die Kirche kamen, z.B. alle elektrischen Anlagen, Lampen, Kirchenheizung, Lautsprecheranlage und Glockenantriebe. Ohne Unterstützung des Staates hätte die Kirchenrenovierung nicht stattfinden können. Zum kirchlichen Anteil von 250.000.- € steuerte das Landesamt für Denkmalpflege für die denkmalpflegerischen Arbeiten 60.000.- € bei und die Gemeinde Muhr am See unterstützte die Renovierung mit 30.000.- €. Der noch verbleibende Rest muss von der Kirchengemeinde durch Spenden und Kollekte und aus landeskirchlichen Mitteln aufgebracht werden.

Grossansicht in neuem Fenster: muhr_weihe_4Nach dem Festgottesdienst, zu dem auch der Landtagsabgeordnete Westphal, der stellvertretende Landrat Westphal, Bürgermeister Rampe und eine Teil des Gemeinderats, der Leiter des Staatlichen Bauamt Ansbach, Herr Jänkel und einige Referenten dieses Amtes, sowie Diakon Schardt in Vertretung des katholischen Stadtpfarrers, der Leiter der Verwaltungsstelle Herr Rupp, ein Teil der am Bau beteiligten Firmen erschienen waren, gab es noch einen kleinen Empfang im großen Saal des Altmühlsee-Informations-Zentrums, wo Bürgermeister Rampe ein Grußwort sprach. Eine im Hintergrund laufende Bildpräsentation zeigt die einzelnen Phasen der Renovierung auf.

GÜNTER L. NIEKEL

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