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Dekanat Gunzenhausen  |  E-Mail: info@dekanat-gunzenhausen.de  |  Online: http://www.dekanat-gunzenhausen.de

Text der Predigt

20. SO nach Trinitatis, 25.10.2020, St. Johannis Altenmuhr1.
Korinther 7, 29-31


Liebe Gemeinde, „heute ist der erste Tag vom Rest unseres Lebens!

Diesen Satz habe ich heute zu Beginn der Predigt für uns mitgebracht. Und dieser Satz hat für mich gleich zwei Botschaften.

Zum einen:
Es gibt einen „Rest“. Das heißt, unser gewohntes, irdisches Leben ist zeitlich begrenzt und nicht unendlich.

Und zum andern:
Heute ist ein Anfang, ein Neubeginn – der erste Tag!

Jeden Tag beginnt etwas ganz Neues. Erlebe also den heutigen Tag bewusst! Nutze ihn, denn deine Zeit ist begrenzt und darum wertvoll! Mit diesem Tag und all dem, was du heute erlebst und tust, kannst du etwas Neues beginnen.

Auch der Apostel Paulus fordert uns in dem heutigen Predigttext auf, unsere Zeit bewusst zu erleben. Im ersten Brief an die Korinther im siebten Kapitel schreibt Paulus:

Die Zeit ist kurz.
Fortan sollen auch die, die Frauen haben, sein, als hätten sie keine;
und die weinen, als weinten sie nicht;
und die sich freuen, als freuten sie sich nicht;
und die kaufen, als behielten sie es nicht;
und die diese Welt gebrauchen, als brauchten sie sie nicht.
Denn das Wesen dieser Welt vergeht.


Liebe Gemeinde, der Apostel Paulus schreibt diesen Brief in dem Glauben, dass er das Ende der Welt noch leibhaftig erleben wird.
Noch zu seinen Lebzeiten wird Jesus wiederkommen und die neue Welt beginnen – Gottes Reich des Friedens, nach dem er sich Zeit seines Lebens gesehnt hatte.

Seiner Gemeinde in Korinth gibt er den dringenden Rat:
„Seid euch bewusst, das Ende der Welt steht unmittelbar bevor. Schon bald werdet ihr vor Gott stehen. Richtet euch mit eurem Leben darauf aus!“

So sehr hatte er sich das gewünscht noch zu Lebzeiten zu erleben, dass Jesus wiederkommt. – Aber dem war nicht so.

Inzwischen sind 2000 Jahre vergangen. Haben wir denn auch noch die Erwartung, dass Jesus zu unseren Lebzeiten wiederkommt?
Die Einzigen, die man überhaupt von diesem Thema sprechen hört, sind die Zeugen Jehovas.
Schade eigentlich, dass uns dieser wichtige Inhalt des christlichen Glaubens so völlig verloren gegangen ist.
Gerade viele Menschen, die sehr aktiv in unseren Kirchen wirken und mitarbeiten, vertreten eben nicht das, was Jesus selber zu seinen Jüngern gesagt hat.
„Ich komme wieder! Und dann bin ich bei euch und ihr seid bei mir.“

Oft meint man gerade in kirchlichen Kreisen einen Aktionismus wahrzunehmen, der gar nicht mit einem Ende des Bisherigen rechnet, sondern mit aller Gewalt versucht die Welt aus eigener Kraft zu retten.

Ganz wichtig an dieser Stelle:
Christlicher Glauben nach Jesus braucht und verlangt auch Taten der Nächstenliebe und alle menschenmögliche Dinge, um diese Schöpfung zu bewahren.
Also natürlich nicht Gleichgültigkeit und Abwarten anstelle von Taten!
Aber christliche Erwartung in die Zukunft ist eben auch kein blinder Aktionismus, der nicht damit rechnet, dass es Gott auch noch gibt.

Dass es Gott noch gibt, der unser Glauben und unser Handeln segnet, der aber zugleich auch – wann er das so will – dieser Welt ein Ende bereitet.
Ein Ende, das gleichzeitig ein Neubeginn ist – ein ganz neuer Anfang für die ganze Schöpfung.

Also ist nicht Weltuntergangsstimmung angesagt, sondern verantwor-tungsbewusstes Leben und Handeln – aber immer im Bewusstsein, dass Gott den Weltenlauf lenkt und das Ziel kennt.

Was können wir nun lernen aus diesen kurzen Sätzen des Paulus in unserem heutigen Predigttext?
Vielleicht das: Meine Lebenszeit hier auf Erden ist begrenzt.
Und diese Grenze ist nicht etwas Beengendes und Einschränkendes, sondern lädt vielmehr dazu ein, etwas mit diesen Tagen des Lebens anzufangen:
sich Zeit nehmen für andere, sich engagieren in Hilfsorganisationen, jemandem zuhören und Trösten, telefonieren und Briefe schreiben, einen guten Rat geben, schnelles Mitanpacken, wenn jemand Hilfe braucht und so weiter und so fort …
„Heute ist der erste Tag vom Rest deines Lebens.“
Erlebe deine Zeit bewusst! Lass dich nicht blenden und gefangen nehmen von dem, was du im Augenblick als wichtig betrachtest!

Liebe Gemeinde,
vielleicht kennen auch Sie Menschen, die von einer Lebensweisheit getragen sind, die daher kommt, dass sie sich auf das Wesentliche konzentrieren.
Von ihrer Aufmerksamkeit, ihrer Achtsamkeit und ihrer Zufriedenheit kann man lernen.

Auf den inneren Frieden kommt es an! Und den können wir erleben, wenn wir unsere Tage als von Gott geschenkte Zeit begreifen. Und wenn wir gelassen bleiben gegenüber dem, was uns bewegt.

Im Bewusstsein meiner begrenzten Zeit verliert sogar mancher Ärger seine Bedeutung.
Auch so manches Ziel, das ich mir setze, muss sich hin und wieder fragen lassen: Was zählt denn am Ende? Ist es wirklich das, womit ich meine Lebenszeit füllen will?

Auf den inneren Frieden kommt es an. Das will der Apostel Paulus sagen.
Und um das zu unterstreichen, zeigt er uns die Punkte unseres Lebens, an denen wir besonders empfindlich sind, und wo viel für uns auf dem Spiel steht.
Er schreibt in seinen Briefen immer wieder von dem, was ihn verletzt und traurig gemacht hat.
Etwa, wenn er von anderen Missionaren nicht ernst genommen oder von seinen Gegnern verleumdet wurde. Wenn man falsche Geschichten über ihn erzählt hat. Oder wenn er im Gefängnis verzweifelt ist und keine Hoffnung mehr hatte.

Aber Paulus hat eben auch die Erfahrung gemacht, dass diese Zeiten der Trauer nicht unendlich dauern, sondern dass er dann immer wieder Hoffnung schöpfen konnte und neuen Mut zum Leben hatte.
Trauer und Schmerzen dauern ihre Zeit, sie können ein Leben wirklich peinigen.
Aber hinter dem, was wehtut oder Angst macht, liegt immer auch ein Glanz verborgen. Ein Glanz, der im Hintergrund immer da ist: Gottes Morgenglanz der Ewigkeit.

Das ist überhaupt keine Vertröstung, sondern immer wieder echte Lebenserfahrung von konkreten Menschen.
Vielleicht auch von Menschen ganz in unserer Nähe.
Immer wieder erfahren wir davon, wenn wir Menschen ganz direkt fragen: Was hat dir eigentlich in dieser schweren Zeit geholfen?

Paulus schreibt: „Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig“
Damit fasst er seine Erfahrung zusammen: Gott mutet mir viel zu; aber er hilft es mir auch zu tragen.
„Lachen hat seine Zeit und Weinen hat seine Zeit.“
Alle Zeit ist begrenzt, aber auch getragen von der Güte Gottes. Und in ihr bin auch ich aufgehoben und geborgen.
Deshalb folgert Paulus: Die, die sich freuen, sollen sein, als freuten sie sich nicht.

Ich kann mich an dem vielen Schönen, das Gott für uns gemacht hat, freuen: an der Natur, dem Herbst, dem guten Essen, an Freunden und an einem liebenswerten Partner.
Aber Paulus wendet sich gegen eine Philosophie seiner Zeit, die den gefüllten Bauch zum einzigen Kriterium für ein erfülltes Leben macht.
Nach dem Motto: „Lasst uns essen und trinken, so gut es geht, denn schon morgen könnten wir tot sein.“
Ja, das gerade nicht!

Denn diese Lebensphilosophie ist gefährlich. Sie gaukelt den Menschen vor, dass sie umso glücklicher werden, je mehr sie genießen.
Und mancher will möglichst viel und dauernd genießen und wird dabei nicht satt. Dieser Hunger nach Leben sagt: Ich gönne mir dies noch und leiste mir das noch, dann fühle ich mich zufrieden und erfüllt.

Aber diese Hoffnung ist trügerisch.
Wenn Genießen und Sich-etwas-Gönnen das einzige und höchste Lebensziel ist, wird man erstaunlicherweise gerade nicht zufriedener, sondern immer unzufriedener.

Es entwickelt sich daraus die Angst, zu kurz oder zu spät zu kommen.
Paulus erinnert daran: Leben – das ist nicht nur Jagd nach Genuss und Glück. Zu einem erfüllten Leben gehört mehr.

Glücklicherweise kommt es vor allem bei jüngeren Leuten in letzter Zeit immer mehr zu einem Umdenken.
Ein Beispiel von vielen:
Eine Abiturientin erzählt: „Ich könnte mit meinem Notendurchschnitt alles Mögliche studieren, um viel Geld zu verdienen. Aber das ist für mich nicht alles. Ich möchte einen Beruf, der mich erfüllt, und in dem ich etwas Gutes bewirken kann.“

Gott schenkt mir genug, woran ich mich freuen kann. Er erfüllt mich.
Ich freue mich, wenn es mir gelingt, Augenblicke bewusst zu genießen – Zeit, die Gott mir schenkt.

„Heute ist der erste Tag vom Rest deines Lebens!“

Gott schenke Ihnen und mir die Gelassenheit, unser Leben aus seiner Hand anzunehmen.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserm Herrn. Amen.

 

 


 

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